ich war mal sooooo verliebt in dich. da war ich 17 und du 27. in unserer stammkneipe saßt du immer an der theke. mit dunklem hefe und ab und zu ein jacky-cola – was sonst. ich fand dich toll. eines deiner lieblingsbücher war „der steppenwolf“. das hatte mir damals ganz frisch mein deutsch-lk-lehrer empfohlen, weil ich die bücherliste für den unterricht schon nach kurzer zeit durchhatte. ich nannte dich harry und ich war deine maria.

nur wenn ich im darten mal wieder besonders gut geworfen hatte und du nicht, dann hast du mich miststück genannt. DU durftest das. du warst so toll. allerdings sah ich mit der zeit immer mehr den großen bruder in dir, den ich nie hatte. dummerweise hast du dich dann in mich verliebt. da war ich 20 und du 30. aber das verging irgendwann auch wieder und wenn wir gegeneinander tischfussball gespielt haben war ich auch wieder das mmmmmmmiststück. nicht umsonst hattest du den namen „mister1000chancen1tor“. du konntest den ball ewig zwischen den beiden abwehrmännekes hin und her spielen……

eine zeitlang haben wir dann sogar im gleichen unternehmen gearbeitet. nie vergesse ich den tag, an dem du mich zum essen einladen wolltest und ich keine lust hatte. ich war schon die vergangenen 3 tage auswärts essen, teils geschäftlich, teils privat und wollte den abend nur mit fernsehen auf dem sofa verbringen. endlich daheim traf mich die erkenntnis wie ein blitz: DU hattest geburtstag. mit einer flasche sekt bewaffnet hab ich mich auf den weg zu dir gemacht. du warst – ohne das dir irgendjemand gratuliert hatte – im fischle. mein aufschlagen dort hat dich dann noch ne lokalrunde gekostet und wir hatten noch einen wirlich lustigen abend….

du hast dich dann selbstständig gemacht und bist nach schopfheim gezogen. scheisse weit weg, aber der kontakt ist nie abgebrochen. ich hab dich auch mal zu einer geschäftsreise begleitet. ich fand dein um-die-welt-gondeln irgendwie cool aber du hast gejammert. barcelona, paris, amsterdam, rio, new york ist alleine immer gleich beschissen und es ist völlig wurst, in welcher hotelbar du alleine sitzt.

unser amsterdam-trip war legendär! gleich am ersten abend haben wir es verpasst essen zu gehen, weil wir mit ein paar studenten in einer echt urigen kneipe mit geiler mucke verhockt sind. das heineken brach uns das genick und nachdem wir im hotel unmengen kohle in den getränkeautomaten für eine dose cola geworfen haben, fiel ich ins koma und du hingst die nacht über der schüssel. nie wieder heineken haben wir uns geschworen und ich hab es ausgerechnet hier in der reha gebrochen. aber unwissentlich – ich schwör – es stand hinten auf der flasche nur ganz klein drauf. wir waren beim urugayaner gigantisch gut essen. steaks und sparerips und der besitzer hat sich mit der gitarre in die mitte des lokals gesetzt und gesungen. indisch waren wir auch noch. und falafel von einem straßenimbiss. die waren so scharf. das fand aber nur ich. auch noch nach einer halben stunde. wir haben uns fast in die hosen gemacht vor lachen, als du das stück chili zwischen meinen zähnen entdeckt hast. wie sonst nur spinat hing mir das mega-scharfe zeugs da an meiner speziellen stelle am schneidezahn…. super.

ich heul mir gerade die augen aus dem kopf, bei den vielen schönen erinnerungen.

als meine tochter zur welt kam, wurden deine besuche bei uns auch wieder regelmäßiger. du warst so vernarrt in kinder. wolltest so gern eigene, aber hast einfach nicht die richtige frau dazu gefunden. auf einem geburtstag wollten wir dich mit einer freundin von mir verkuppeln. sogar deinen bart hast du dafür geopfert. e. war ab dem abend mit dem kleinen bruder deines besten kumpels zusammen. ..

unsere spieleabende fanden wegen mir nun nachmittags statt. unsere clique hat sich einfach angepasst. outburst, tabu, trivial pursuit, risiko (natürlich um die weltmacht). zu kinderlosen zeiten doppelkopf durchspielte nächte. es war so schön….

noch gar nicht lange her, da bist du wieder näher her gezogen. hast dich beruflich verändert. du hast mich sogar hier in der reha angerufen. wir haben ausgemacht, dass du einfach vorbeischneist, wenn wir wieder daheim sind. käffchen geht bei dir immer. schwarz wie die nacht.

nun ruft heut unser beider kumpel an. auf dem handy. hartnäckig. ich hab ihn schon 3 x abgewiesen, sogar eine sms geschickt, dass ich in davos bin. zur reha mit den kindern. trotzdem nochmal angerufen. mit einem gemotze, dass mich der anruf ein vermögen kostet, hab ich dann doch abgenommen. dann hab ich es erfahren:

du lebst nicht mehr. du hattest gestern einen tödlichen autounfall. völlig unverschuldet und als einziger der vielen beteiligten. ich bin so unendlich traurig. machs gut jackie – du fehlst mir…..

 

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4 Kommentare zu “

  1. Epitaph

    Do not search this place for me
    Search for me deep in your heart
    If I haven’t build my memorial there
    My live has been in vain

    Ich kenne weder Dich noch Jacky – aber als ich das gerade verspätet las, war mir als Fremde klar: Jacky hat nicht umsonst gelebt. Behalte ihn in Deinem Herzen! Mein herzliches Beileid.

    Liebe Grüße
    Nicole

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