4 wochen

ist sie nun tot. die trauer ist gering bis nicht vorhanden. das ist schade, aber liegt nicht an mir. seit ein paar tagen hab ich das testament vorliegen, zur eröffnung hat mich der notar nicht offiziell geladen, da mein vater ihm gegenüber sagte, er werde mir den termin nennen. hat er aber nicht… aber von vorne:

ende der 90ziger jahre hatte mein vater seinen 4ten infarkt. ziemlich zeitgleich wurden uneheliche kinder ehelichen gleichgestellt. noch im krankenhaus wurde von mir verlangt, einen erbverzicht für das erbe zu unterschreiben, allerdings sei das keine anerkennung der vaterschaft. meine eltern sind nicht verheiratet. also mein vater schon, aber eben nicht mit meiner mutter. die „andere“ familie hatte wohl angst ums erbe und wollte, dass ich das unterschreibe. sagte damals meine mutter. ich hab mich geweigert. schließlich steht mein vater nicht mal in meiner geburtsurkunde. wozu also hab ich mich damals gefragt und damit war das thema für mich erledigt. mein vater wurde am herzen operiert, ich hab meine mutter fast täglich ins 80 km entfernte krankenhaus gefahren und gut.

meine mutter ließ aber nicht locker. war ich vorher jeden abend nach der arbeit auf einen sprung bei ihr, durfte ich das ab dem tag nicht mehr. nicht mehr nach hause kommen. ich saß luftlinie 500 m in meinem 1-zimmer-appartement und durfte nicht nach hause. es war hart für mich, aber meine eltern hat das gar nicht interessiert. mein vater sprach gar nicht mehr mit mir. meine mutter dagegen schon. sie rief mich bei der arbeit an. wenn ich meine meinung äußern wollte, legte sie einfach auf. irgendwann boten sie mir geld für die unterzeichnung. ich lehnte ab.

wochenlang ging das so. ich durfte nicht mehr nach hause kommen und wurde am telefon beschimpft. sogar nachts rief sie an. sie hätte so angst vor meinem vater, dass er ihr was antue, wenn ich nicht endlich unterschreiben würde. sie bearbeitete irgendwann sogar freunde von mir. die sollten mich zur unterzeichnung bringen. schließlich sei ich ja dafür dann auch die alleinerbin ihres vermögens.

ich bin dann irgendwann eingeknickt und habe unterschrieben. ich wollte einfach nur noch meine ruhe. keine nächtlichen anrufe meiner betrunkenen mutter, keine beschimpfungen mehr, fertig. beim notartermin hat er mich nicht einmal gegrüsst.

das verhältnis zu meinem vater war noch nie gut, aber nach der geschichte so gut wie nicht mehr vorhanden. von ihm hatte ich schon allerlei namen erhalten: blöde kuh, flitscherl, bumsstation um nur mal ein paar zu nennen. aber wenigstens konnte ich nach der arbeit wieder zu meiner mutter – wenn der vater nicht da war. die besuche wurden aber weniger, denn die beschimpfungen hatte dann meine mutter übernommen. auch der alkoholkonsum nahm stark zu. getrunken hatte sie schon immer. kenn ich gar nicht anders. sekt und wein. keine harten sachen, aber dafür eben rund um die uhr. irgendwann hatte sie eine gelbsucht, man hat sie nur nicht gleich erkannt, weil sie täglich unterm solarium lag. sie meinte, da seien muscheln daran schuld. ihre ärztin sagte damals schon, finger weg vom alkohol.

ich hatte mit 6 jahren einen vollrausch, weil meine mutter mir den wein zu trinken gab, den ihr ein nachbar eingeschenkt hat. ihr war er zu süß, dann sollte ich ihn eben trinken. war für sie völlig o.k.. sie erzählte das immer als lustige anekdote. jedes jahr setzte sie einen rumtopf an (es waren die 80er) und gab mir dann die früchte, die sie nicht mochte. eierlikörgläser gab man mir zum ausschlecken, weil es so lustig aussah, wenn ich versuchte mit meiner zunge an den glasboden zu kommen…..

als ich 11 jahre alt war, hab ich ihr das erste mal vorgeschlagen, eine therapie zu machen weil ich fand, dass sie zuviel trinkt. ich ging morgens um 7 aus dem haus. da lag sie noch im bett und kam mittags um 5 von der schule heim. da lag sie dann auf dem sofa. nur mittwoch und donnerstag da hat sie sich aufgebrezelt, denn da kam mein vater.

eine tante von mir hat meiner mutter ebenfalls in den 90ern gesagt, dass ihr alkoholkonsum nicht normal ist. den kontakt zu ihr hat sie abgebrochen. mit den anderen geschwistern hatte sie fast nur telefonisch kontakt. einmal die woche zu einer festen zeit konnte sie sich immer zusammenreißen und vor den telefonaten mal 1-2 stündchen nichts trinken. da hatte sie sich im griff. eine dieser tanten hat mich dann auch immer wieder dazu gebracht, den kontakt zu meiner mutter wieder aufzunehmen. ich hätte das zu ertragen, soll eine faust in der tasche machen und es sei schließlich meine mutter. ich hab mich jedesmal wieder breitschlagen lassen. hab immer wieder versucht, altes zu vergessen und einen neuanfang zu starten.

es gab in den vergangenen 10 jahren viele demütigungen meiner mutter. als ich ihr sagte, dass ich das ich mein erstes kind bekomme, war ihr kommentar: ich hoffe, du weißt von wem…. andere geschichte: weil ich wütend darüber war, dass sie unserem sohn alex geld „für felix“ auf unser konto überwiesen hatte, nannte sie mich ein arschloch. schon während der schwangerschaft ließ sie sich über den namen alex aus. der sei blöd, felix sei viel schöner….. meine tochter hatte regelrecht angst vor meiner mutter. fiel die andere oma als babysitter aus, bot sie ihr taschengeld an um einen babysitter von der agentur zu bezahlen, nur ja nicht die böse oma sollte kommen. man kann sich aber denken, dass das eh nie eine option für mich war. eher blieb ich dann eben zuhause und das auch gerne. nach der sache mit „felix“ hatte ich den kontakt entgültig abgebrochen und ließ mich auch von einer tante nicht umstimmen. die gespräche mit der psychologin halfen da auch sehr.

das letzte jahr war die trinkerei wohl so schlimm, dass sie sich die angebrochenen flaschen wein von meinem vater geschnappt hat und die dann im haus und im garten versteckt hat. sobald mein vater länger wie eine halbe stunde außer haus war, ging es dann los. gegessen hat sie so gut wie nichts mehr. auch sei sie sehr böse gewesen und hätte oft nach 5 minuten schon nicht mehr gewusst, was sie gerade eben gesagt hatte. der alkohol tat seine arbeit und der bauchraum war eine große offenen baustelle. das ganze dorf weiß, dass meine mutter getrunken hat, seit jahrzehnten. die verwandschaft will nichts davon gewusst haben. wenn ich weiß, dass ich einen alkoholkranken im haus habe, verzichte ich auf alkohol – aber das ist wieder ein anderes thema.

ich war immer auf mich allein gestellt. hab meine ausbildung nach dem abitur selbst durch einen kredit finanziert, weil von meinen eltern keinerlei unterstützung kam. als ich damals alleinerziehend mit meiner tochter war, kam auch keine hilfe in form von babysitten. im gegenteil. meine mutter rief mich nachts um 10 an, um zu prüfen ob ich daheim bin oder ob ich mein kind allein lass um party zu machen. das fröschi war mit der stillerei ganz zufrieden und schlief oft die nacht durch. das glaubte mir meine mutter nicht und fragte mich allen ernstes ob ich schnaps in den schoppi füllen würde. es kamen noch mehr solch unverschämter vorwürfe und dank einer guten therapeutin weiß ich heute, dass mich meine mutter eigentlich nie wollte. deshalb war es für sie unvorstellbar, dass ich mein „altes“ leben mit arbeit, freunden und partys nicht vermisst habe und mein leben als mami in vollen zügen genossen hab und das dann auch noch ohne mann….. für sie unvorstellbar.

zurück zur aktuellen situation: mein vater hat sich uns angenähert. zuerst dachte ich, weil er nun doch gemerkt hat, was die letzten jahre so alles schief lief. nach der testamentseröffung hatte ich gewissheit. das war alles nur, um mich auch noch um meinen pflichtteil zu betrügen. zitat:die mutti wollte, dass ich nichts bekomme, aber er ja nicht. (das hat sie so auch ins testament geschrieben. das mir versprochene alleinerbe soll an meinen vater gehen bzw an dessen sohn). deshalb soll ich zum notar kommen und er würde mir dann einen betrag zahlen, dass ich auch was hätte. stutzig wurde ich, als er bei der beisetzung, quasi an der urne vom anwalt anfing. dass ich meinen pflichtteil ja schon bekommen hätte. sich völlig dumm gestellt hat und scheinbar gar nicht mehr wusste, was beim verzicht auf sein erbe abgemacht war. auch bei den beerdigungskosten hat er nen tausender draufgehauen. als ich mich beim bestatter nach dem rechnungsbetrag erkundigt habe, bekam ich den rat mir unverzüglich einen anwalt zu nehmen. dieser mann (mein vater) sei nicht ehrlich zu mir und man hätte sie (die bestatter) auch schon auf den herrn x. angesprochen. achja – als ehemann hat er sich ausgegeben, dabei ist er nicht mal eingetragener lebenspartner. zuerst wollte er übrigens sein erbe ausschlagen und ich sollte alles erben (wegen der erbschaftssteuer) und ihm dann das geld geben (weil die mutti wollte ja nicht, dass du was bekommst).

vom notariat bekam ich dann auch noch den hinweis, dass ich mir einen anwalt nehmen soll. das hab ich jetzt auch getan. auch auf die gefahr hin, dass ich bei der verwandschaft als böse, undankbare tochter dastehe. von denen hat sich die letzten 38 jahre auch niemand für mich interessiert. außer ein paar und die werden mich sicher verstehen.

ich trauere nicht. ich hab schon lange keine mutter keine eltern mehr. dafür hatte ich hilfe nötig, die hab ich mir gesucht und gefunden. aber ich finde es schade, dass meine mutter so sterben musste. nachts, ganz allein im krankenhaus. allerdings hätte ich nicht die person sein können, die sie auf ihrem letzten weg begleitet. unser verhältnis war zu gestört.  aber es tut mir leid, dass sie nicht mit dem gedanken gestorben ist, dass alles gut war/ist. sie war immer unzufrieden mit ihrem leben, für das sie aber selbst verantwortlich war. nicht mal ihrem einzigen kind hat sie das glück gegönnt.

ich weiß nicht, von wem ich das habe, aber ich lebe mein leben so, dass ich damit klar komme. dass ich aufrecht zu meinem tun und handeln stehen kann und nicht so, dass es anderen gefällt, was ich mache. ich lebe mit der gewissheit, dass ich alles (!) nochmal genau gleich machen würde, denn sonst wäre ich nicht die, die ich heute bin.

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